Health from Cradle to grave – Gesund von der Wiege bis zur Bahre

Home / Life Sciences & Zukunft der Gesundheit / Health from Cradle to grave – Gesund von der Wiege bis zur Bahre

Health from Cradle to grave – Gesund von der Wiege bis zur Bahre

ist eine verlockende Vorstellung. Nicht wahr?

Helfen uns die etablierten Forschungs- und Entwicklungsansätze der Gesundheitsindustrie mit ihren impliziten Annahmen und das real existierende Gesundheitssystem dabei? Da bin ich sehr skeptisch!

Gesundheit von der Wiege bis zur Bahre – ist das möglich? Das wissen wir nicht! Nocht nicht! Warum?

Weil wir nicht wissen, was individuelle Gesundheit ist? Wir haben uns diese Frage, obwohl naheliegend bisher nicht gestellt – außer in den Sozialwissenschaften. Wir beschäftigen uns auch noch heute „nur“ mit Krankheit – meist männlich. Diese gilt es mit einem immer stärker ingenieurtechnischem Ansatz zu reparieren, denn dieser war ja in vielen anderen Feldern überaus erfolgreich. Dieser Logik folgen auch die neuesten Entwicklungen der Gentherapie.  Ein gründliche Reflektion darüber, mit welchen impliziten, d.h. stillschweigenden Annahmen wir weiterhin arbeiten und inwieweit diese überhaupt die Realität und Erkenntnisse widerspiegeln, hat bisher nicht ausreichend stattgefunden. Noch immer arbeiten wir mit „Akuthypothesen und Momentaufnahmen“.  Es wird gerne negiert, dass die Lebenserwartung und Lebensqualität im Wesentlichen ohne den Beitrag der HighTech Medizin gestiegen sind. Entscheidend waren eine bessere Hygiene und Ernährung. Zwei Komponenten, die heute umgekehrt wirken, scheinbar das Rad wieder zurückdrehen und die Kosten des Systems in die Höhe treiben ohne das wir bisher ein passende Antwort darauf geben können. Auch weil wir gewisse Erkenntnisse als nicht zum Mainstrean von Politik und Forschung passend “unterschlagen”? Gesellschaftlich – politische Diskussionen konzentrieren sich auf die Älteren und Alten mit ihren „chronischen Krankheiten“ und wir vergessen dabei diejenigen, die das System finanzieren und daher gesund bleiben müssen! Wer Gesundheit und Wohlstand will, müsste sich eigentlich auf Frauen und Kinder und die arbeitende Bevölkerung konzentrieren. Oder Ihnen zumindest faire (gerechte?) Möglichkeiten anbieten, sich selbst darum zu kümmern.

Die Mechanismen und – anreizsysteme sind darauf ausgerichtet, Krankheit zu erhalten, „zu chronifizieren“ oder mit wenigen diagnostischen Maßnahmen,  eine „OP“ abzusichern, denn nur damit lässt sich Geld verdienen, um Ärzte, Pflegekräfte u.a.m. zu bezahlen. Die Fehlanreize fangen bei der volumenabhängigen Finanzierung des GBA und diverser „Qualitätsinstitute“ an. Warum ist die Datenlage zur Finanzierung hier eigentlich so intransparent? Sie setzen sich bei der Umverteilung der Versichertengelder fort. Der gesunde Chroniker ist heiß begehrt. Sie  münden dann durch Trennung von ambulanter und stationärer Versorgung in eine bewusst in Kauf genommene Verschlechterung der Symptome (Chronifizierung?) und somit der Gesundheit der Versicherten –  den Finanziers des Systems. So ist eine Überweisung nur durch einen Facharzt an eine reguläre Krankenhausambulanz regelkonform. Dieser hat nur leider 6 Monate Wartezeit – auch für akute Fälle.

Gute und frühe Diagnostik ist ein Fremdwort, seltenere (nicht seltene!) Krankheiten, die durch einfache Labordiagnostik zu erkennen wären, brauchen Jahre und unnötiges Leiden bis zur Diagnose, weil die Budgets zusammengestrichen werden, geringe Abweichungen vom Normwert nicht ernst genommen, die Mainstream Krankheiten in den Köpfen und Praxen dominieren. Oder auch nur  weil es eher weibliche Erkrankungen sind?

Die zunehmende Spezialisierung (manchmal auch nur „Engstirnigkeit“ und Verantwortungsdelegation) der Experten verbunden mit dem enormen Erkenntnisgewinn der letzten Jahre verschlechtern die Chancen auf effektive Gesundung weiter. Es fehlen Methoden, Tools und Prozesse zur lösungsorientierten Reintegration der Einzelbefunde für ein Individuum unten den herrschenden Arbeitsbedingungen. Hier gäbe es jede Menge Chancen durch technische Lösungen, der humanen Intelligenz zu Ihrer Entfaltung und Zeit zu verhelfen.

Aber es gibt doch Patientenbeauftrage, unabhängige Patientenberatung,… ja Patienten. Dies sind Kranke mit einer völlig anderen Anspruchs- und Erwartungshaltung als Bürger und Versicherte. Auch hier fokussieren wir wieder auf Krankheit – auf die Situation nach „Schadenseintritt“ – wenn es zu spät ist – wenn es richtig teuer wird!

Für das besonders Teure geben wir gerne Milliarden aus, rufen z.B. die Nationale „Dekade-gegen- Krebs“ aus. Welches Ergebnis erwarten wir realitisch? Krebs als weitere chronische Krankheit? Hat jemand einmal die in den letzten 30-40 Jahren in die Krebsforschung  investierten Gelder– öffentlich und privat – dem Erkenntnisgewinn oder gar dem erzielten Nutzen für die Patienten gegenübergestellt?? Ich habe selbst einmal in diesem Bereich promoviert (und bin schon selbst betroffen gewesen), aber ich gehe heute davon aus, dass es andere Bereiche gibt, die deutlich mehr gemeinschaftlich- volkswirtschaftlichen und persönlich- individuellen  Gesundheitszugewinn brächten, kostengünstiger ausfallen  und das Auftreten von Krebs u.U. reduzieren könnten, wenn….

Ja, wenn wir die Frage stellen würden, was Gesundheit  ist. Wenn wir Gesundheit  (natur)wissenschaftlich beschreiben könnten. Wenn wir die systemischen Rahmenbedingungen verstünden,  wie wir Gesundheit individuell über unser Leben möglichst gut erhalten und effektiv wiederherstellen könnten. Wenn wir verstehen würden, wie sich Individualität wirklich auf Gesundheit auswirkte.

Wir können uns nicht auf etwas fokussieren, was wir es nicht verstehen. Dies ist der entscheidende Grund, warum Alle am Krankheitsfokus festhalten (müssen!). Es gibt bis heute keine Modelle für individuelle, systemische Gesundheit. Bisher haben wir  immer nur gefragt, was Krankheit ist und wie sie zustande kommt, welche Gene, Proteine oder Prozesse verändert sind. Aber verändert zu was? Wir sind Individuen – was sollte also der Vergleichsmaßstab sein? Der Normmensch?  Der Urmensch? Der Affe? Wir waren doch Alle überrascht, wie gering die genetischen Unterschiede sind – bis wir etwas von Epigenetik erfahren haben. Aber das ist doch nicht das Ende! Der nächste und entscheidende Erkenntniszugewinn entsteht dann, wenn wir uns als komplex adaptives System begreifen, dass sich seinen variablen inneren und äußeren komplex adaptiven Rahmenbedingungen anpasst, um gesund zu bleiben bzw. gesund zu werden.  Ich spreche von einem System und nicht der Summe der Einzelteile. Das bedeutet wird müssen die reduktionistischen Ansätze überarbeiten, ergänzen, überwinden.

Wir brauchen daher neue Fragen, neue Forschungsansätze, systemische Langzeitdaten, neue Rollen und Zusammenarbeitsmodelle, wenn wir die Gesundheit jedes Individuum bestmöglich  im Laufe des Lebens erhalten und wiederherstellen wollen.

Wer seinen gesunden Menschenverstand nutzt, kommt doch automatisch auf die Frage, wie kommt es, dass wir uns solange gehalten haben? Wie wahrscheinlich wäre dies, wenn bei jedem von uns alles identisch läuft, wie bei einer guten, deutschen Maschine? Ein Mercedes ist auch nicht für die Wüste gemacht – er kann sich nicht dynamisch anpassen und versagt! Technik ist gut, aber lebende Systeme folgen nicht den identischen Regeln!

Wenn wir unseren eigenen Fähigkeiten wieder trauten und nicht meinten, nur was messbar ist, ist real, sähen wir doch die Unterschiede. Individualität ist uns täglich vor Augen. Nur in der Life Science Forschung und leider zunehmend in der Medizin (seit sie sich ihrer „ärztlichen Kunst“ schämt und lieber zu einer richtigen technischen Naturwissenschaft mutieren möchte  – aber auch das nur halbherzig) gehen wir von „Normmenschen“ aus, werden daher evidence – basiert behandelt, mehr oder minder Leitliniengerecht – denen meist die Unterscheidung  zwischen den Geschlechtern fehlt,  basierend auf „Fakten“, häufig einer hochkomplexen, mathematisch modellierten Bildgebung (unterscheidet sie zwischen den Geschlechtern im Modell?) und immer häufiger ohne strukturierte klinische Anamnese und Untersuchung (vielleicht hofft Mann ja auf ein Diagnosesoftware ähnliches Tool wie in modernen Autos üblich..). Umso erstaunter ist  „Frau“ dann, wenn 5 Experten ein und dasselbe CT völlig different interpretieren. Wissenschaft oder Alchemie. Kunst oder Können?  Oder einfach ein Problem der negierten Individualität, der unzureichenden Modellierung und der fehlenden Datenlage über die Lebenszeit?

Ich schlage daher vor, einen Teil der Gelder der Dekade-gegen-Krebs (welches Ergebnis erwarten wir ernsthaft?) besser zu verwenden und in die Erforschung von individueller, systemischer Gesundheit zu stecken.  Um zügig voran zu kommen, braucht es mehrere parallele Handlungslinien:

  • Die Formulierung neuer Fragen, die Entwicklung neuer wissenschaftlicher Ansätze und Methoden
  • Die Etablierung neuer Rollen und Formen der Zusammenarbeit zwischen Medizinern, Wissenschaftlern, Pflege, Patienten, Politik,… z.B. in einem Global Health Care CoCreator (GHCC ), um schneller zu lernen, Zusammenhänge zu erkennen und Unterschiede herauszuarbeiten
  • die Entwicklung von Angeboten zur systematischen und durchdachten Erfassung und Auswertung von individualisierten Daten von der Wiege bis zur Bahre mit dem Ziel das Individuum zum Manager seiner Gesundheit zu machen, basierend auf individuellen Faktenprofilen
  • schnellst möglich neue Tools, um die frühe, systematische (und systemische) Diagnostik grundlegend zu verbessern, Modelle und Erkenntnisse zu re-integrieren und sie in einer für Praktiker (Hausärzte!!) und Laien leicht erfassbaren Form bereitzustellen.

 I am unique! When does it matter? 

Sind  Sie dabei? Neugierig? Interesse, Ressourcen, Ideen die Beantwortung der Frage gemeinsam voranzutreiben? Dann mailen Sie mir! Wir freuen uns.

Recommended Posts

Hinterlasse einen Kommentar


Kontakt

Über das nachstehende Kontaktformular können Sie Kontakt mit mir aufnehmen.

Nicht lesbar? Text ändern. captcha txt
wall-612177_1920by Pete Linthforth, Pixabay