Eine solidarische Alterssicherung – eine gute Idee,

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Eine solidarische Alterssicherung – eine gute Idee,

wenn sie sich den Realitäten stellt und nicht nur „träumt“ von längst vergangenen Zeiten.

Die solidarische Alterssicherung der IG Metall – ein  Diskussionsvorschlag  vom 20.07.2016  – verfolgt ein durchaus verständliches und erstrebenswertes Anliegen. Aber der Vorschlag scheint für eine andere, längst vergangene Zeit gemacht zu sein. Leider geht auch aus dem  24 seitigen PDF der IG Metall auf ihrer Webseite nicht hervor, welche Annahmen, Modelle und Szenarien dem Vorschlag zugrunde liegen. Es beschränkt sich – wie heute zu oft üblich – auf politische Aussagen. Mit den gegebenen Informationen ist ein sachlicher Dialog nicht möglich.

Die IG Metall setzt als Ideal auf eine Erwerbstätigenrente, mit flexiblem Renteneintritt am besten ab 63 wie bisher ergänzt durch eine verbesserte betriebliche Alterssicherung. Einzahlen sollen auch die Selbständigen und Beamten. Kurze Frage:”Wer sollte die zusätzlich betriebliche Alterssicherung für die (Klein)-Selbstständigen übernehmen?” Der  Inhalt des Konzepts ist leider nicht neu, sondern eine uralte Forderung.

Wann ist die IG Metall bereit, die steigende Lebenserwartung zur Kenntnis zu nehmen? Oder gar den Umbruch in der Wirtschaft  hin zu einer digitalen Wirtschaft? Bei ihrem Konzept bleiben Google, Facebook und Co die Vorteilsnehmer. „Bestraft“ werden alle, die überhaupt noch Menschen beschäftigen. Was passiert, wenn irgendwann ein Daimler oder BMW mehr Geld durch  Carsharing als durch den Verkauf von Autos verdient, wenn die Entwicklung überwiegend in Asien läuft?  Es müsste doch gerade das Ziel einer Gewerkschaft sein, den Druck zu verringern, Kostensenkungen bzw. Ertragssteigerungen immer durch Personalabbau zu erzielen.

Wie wäre es mit einer Komponente, die den Umsatz im jeweiligen Land (D /EU) oder den Umsatz/Mitarbeiter als eine Komponente für die unternehmensseitigen Beiträge nimmt. Ziel sollte es sein, eine fairere Beteiligung der Unternehmen an der sozialen Sicherung herbeizuführen, die mit wenigen Mitarbeitern enorme  Umsätze und noch höhere Gewinne erzielen und häufig nicht einmal Steuern in den  Ländern zahlen, in denen sie die besten Profite machen.

Darüber hinaus ist zu bedenken, dass immer mehr, gerade auch hochqualifizierte Aufgaben, nicht zwangsweise in D erledigt werden müssen, sondern man sich „billigere“ Arbeitskräfte auf dem globalen  Markt hinzukauft (Stichwort “Clickworker” ).

Wir brauchen Konzepte, die insbesondere auch die Tätigkeitsbereiche von Sozialabgaben entlasten,  die Mitarbeiterintensiv bleiben werden. In denen heute bereits ein großer Arbeitskräftemangel zu verzeichnen ist – vielleicht auch weil sie schlecht bezahlt sind und „Frau“ von der Rente nicht leben kann – wie z.B. im Pflegebereich.

Rentenkonzepte, die sektoral bzw. national ausgerichtet sind, tragen in der hochvernetzten Welt des 21. Jahrhunderts nicht.  Sie tragen insbesondere in D nicht weil zum einen die Erwerbsbevölkerung  durch die demographische Entwicklung abnimmt, die Digitalisierung kommen wird und sie den Arbeitsplatzabbau und –umbau verstärken wird. Zusätzlich nimmt  der Wettbewerb durch andere Länder und deren qualifizierte Bürger weiter zu.

Wir brauchen eine grundlegende  Neustrukturierung  unserer Alterssicherung, die die veränderten Arbeitsbedingungen, Lebenserwartungen, Lebensmodelle, den Altersquotienten und die globalen Entwicklungen inklusive dem Ziel zur Verringerung des Migrationsdrucks  berücksichtigt.

Wir brauchen eine Neustrukturierung, die auf einem veränderten und zukunftsfähigen Bürgerbild aufsetzt und die Rechte und Pflichten des Einzelnen sowie der Gemeinschaft  fair neu austariert. Die auf einen mündigen Bürger setzt, ihm mehr Entscheidungsfreiheit zurückgibt. Wir haben nur eine Zukunft,  wenn wir patriarchalische Strukturen abbauen und unsere Bürger fordern (und nicht ruhig stellen bis sie in Apathie versinken).

Dies ist somit eine hochkomplexe Aufgabe, die nicht bis zur nächsten Bundestagswahl erreicht werden kann. Was aber möglich und dringend notwendig ist, ist die Entwicklung eines strategischen Konzeptes, wie unter Bürgerbeteiligung und Mitwirkung aller  anderen relevanten Stakeholder eine neue tragfähige und faire Lösung erarbeitet werden soll. Ich bin dabei! Sie auch?

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Kommentare
  • Andreas Fischer
    Antworten

    Sehr gute, präzise Gedanken. Bravo!

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